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Jahresrückblick 2009 bei der Luxair

Von: Letzeburger Journal, 20.05.2010

Positives Ergebnis trotz breitem Einbruch

In Anlehnung an entsprechende Äußerungen des IATA-Präsidenten charakterisierte Verwaltungsratspräsident Marc Hoffmann das Geschäftsjahr 2009 für die nationale Fluggesellschaft Luxair, die gestern Vormittag im Kulturhaus von Niederanven, einer der Standortgemeinden des Flughafens Findel, ihre Bilanz und ihren Geschäftsbericht vorstellte, schlichtweg als „Desaster“. Wie nicht anders zu erwarten, waren die zahlen des vergangenen Jahres durchgehend geprägt von den massiven Auswirkungen, die die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise auch und gerade auf die kommerzielle Luftfahrt gezeitigt hat.

Solide Finanzbasis
Während der Weltverband IATA von einem Rückgang um 3,5% bei den Passagierzahlen und um 14,5% bei der Flugfracht spricht und die Verluste der Branche auf 3,5 Milliarden Dollar für die Industrie weltweit beziffert, die um rund 70 Fluggesellschaften und Reiseveranstalter schrumpfte, bleiben aus dem Krisenjahr 2009 vor allem auch größere Zusammenschlüsse in der Branche, wie etwa British Airways mit Iberia, Lufthansa mit Swiss und Austrian, sowie Air France mit KLM bzw. Alitalia, in Erinnerung.

Die im Rahmen der unter dem Sammelbegriff „Focus 2009“ laufenden Kosteneinsparungen bei Luxair Group haben Marc Hoffmann zufolge dazu geführt, dass der operationelle Verlust von 25 auf 7,1 Millionen Euro verringert werden konnte, während die finanzielle Situation der Gesellschaft mit einem Anteil der Eigenmittel von 56,6% am Gesamtbilanzvolumen weiterhin als sehr solide bezeichnet werden kann.

Branche unter Druck
Erstmals waren im vergangenen Jahr die beiden wichtigsten operationellen Standbeine der Luxair, also Airline und Cargo-Handling, gleichzeitig in die Verlustzone gerutscht, wobei die Airline mit 13,1 Millionen Euro den stärksten Verlust einfuhr, dafür aber das Fracht-Handling erstmals überhaupt mit einem negativen Resultat von 2 Mio. Euro zu Buche schlug. Als sehr schlimm bezeichnete Marc Hoffmann die Tatsache, dass man keinerlei Möglichkeit hatte, den Lauf der Dinge zu beeinflussen.

Dass unter dem Strich noch ein Nettogewinn von 1,3 Millionen Euro für das Jahr 2009 verbucht werden konnte, führte der Präsident darauf zurück, dass Luxair nach wie vor über eine gesunde und starke Finanzbasis verfüge, die in früheren Jahren geschaffen werden konnte. Dass es im laufenden Jahr zu einer wesentlichen Verbesserung kommen könnte, erwartet Marc Hoffmann nicht, zumal auch die IATA davon ausgeht, dass erneut ein Gesamtverlust von 2,2 Milliarden Dollar für die Branche eingefahren werden dürfte und das Problem mit der Vulkanasche keineswegs dazu angetan ist, die Ertragsperspektiven zu verbessern.

Als beachtlichen Geschäftserfolg bewertete Marc Hoffmann dafür die Nutzung des Flughafens Saarbrücken für eine Reihe von Flügen in deutsche Großstädte, während auch neue Frachtkundschaft nach Luxemburg angezogen werden konnte. Vor allem gegenüber ihrem Personal habe sich die Luxair als verantwortungsvoller Partner erwiesen, sie wolle dies auch gegenüber ihren Kunden durch weitere Qualitätsverbesserungen, sowie gegenüber der Gemeinschaft durch umweltschonendere Geschäftspolitik verstärkt zum Ausdruck bringen.

Ertragspfeiler wankten
Mit einer gewissen Genugtuung unterstrich Generaldirektor Adrien Ney, die solide und bewährte Basis der Gesellschaft habe es ermöglicht, schnell auf die schwierigen Herausforderungen zu reagieren, die erstmals gleichzeitig alle Aktivitäten der Gesellschaft betroffen hatten. Die Zahlen sprechen für sich: bei der Airline machte die einträgliche Business-Kundschaft nur noch 24% aus (gegenüber 37% noch im Jahre 2007), die Ferien-Arrangements von Luxair Tours brachen von 167.725 auf 154.713 ein und der Frachtumschlag im Cargo Center reduzierte sich gegenüber 2007 gar um 25% auf 672.114 Tonnen.

Besonders schmerzlich traf die Airline der fortgesetzte Rückgang der Business-Kundschaft – den Umsatzverlust bezifferte Adrien Ney auf 25 Millionen Euro -, während der Rückgang der Passagierzahl nach Paris um weitere 48% auf 41.575 im vergangenen Jahr – 2007 hatten noch 111.215 Reisende die Luxair-Flüge genutzt – ein Umsatzminus um 12 Mio. Euro bewirkte. Erfolgreich wurde dagegen das neue Angebot an Primo- und anderen Spezialtarifen am Markt aufgenommen mit insgesamt rund 150.000 Buchungen. Es erübrigt sich zu sagen, dass dies natürlich andererseits auf den Ertrag drückte.

Die Zukunft wirdnicht einfacher
Durch einen gezielteren Einsatz der verfügbaren Maschinen auf den einzelnen Strecken konnte der „load factor“, also die Kapazitätsauslastung in etwa auf dem gleichen Niveau gehalten werden wie in den beiden Vorjahren. Im Geschäftsfeld von Luxair Tours kam es zu einem regelrechten Einbruch bei der Kundschaft aus der französischen Grenzregion, deren Anteil von 43 auf 33% zurückging.

Für das laufende Jahr rechnet Luxair Tours mit einer leichten Erholung, nachdem in den ersten Monaten ein Zuwachs an Buchungen um 6% gegenüber dem Vorjahr festzustellen war. Allerdings hatte die Aschewolke Mitte April zu einer ganzen Reihe von Flugannulierungen auch zu Ferienregionen geführt, was zu erheblichen Rückführungskosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro führte, womit Luxair allerdings wiederum ihr Qualitäts- und Kundenbewusstsein unter Beweis stellen konnte. Dieses kommt übrigens auch zum Tragen bei der Bestellung einer neuen Boeing 737-800 mit 186 Plätzen, die als Ersatz für eine 17 Jahre alte Boeing 737-500 ab 2012 im Leasing-Verfahren zum Einsatz kommen wird.

Im vergangenen Jahr hatten sich auf der Ertragsseite die Kosteneinsparungen in Höhe von immerhin mehr als 17 Millionen Euro als effizienter Beitrag zum Ergebnis erwiesen. Das dürfte im laufenden Jahr nicht grundsätzlich anders sein, auch wenn die Abwägung zwischen Qualitätsdenken und Kosteneinsparungen immer mehr zu einer Gratwanderung zu werden droht. › Nic. Dicken